POSTMIGRANTISCHES
DENKEN

Selbstverständnis der Postmigrant*innen

„Unsere Identität wechselt so häufig, dass keiner herausfinden kann, wer wir eigentlich sind. [...] und das bedeutet den Zusammenbruch unserer privaten Welt.“

- Hannah Arendt


Wir wissen, wie es ist, ständig gefragt zu werden woher wir kommen und uns zu rechtfertigen.

Wir werden in Schubladen gepackt, aus denen wir uns schwer befreien können.

Wir legen uns selbst Steine in den Weg, die uns von anderen zur Verfügung gestellt wurden.

Wir haben keine private Welt, weshalb wir uns den gegebenen Zuständen anpassen müssen.

Wir sind Meister*innen der Anpassung, Aufklärung und Erklärung.

Wir sind etwas Besonderes, wenn wir etwas besser können als die Menschen, die aussehen wie wir.

Wir sind Bürger*innen einer freiheitlich demokratischen Republik. Diese Tatsache müssen wir uns vor Augen führen, damit sie in unser Bewusstsein eindringt.

Wir sind Menschen, die für diese Grundordnung so viel oder so wenig leisten, wie alle anderen.

Wir müssen nicht erklären woher wir kommen.

Wir müssen nicht erklären woher wir wirklich kommen oder unsere Eltern.

Wir haben das Recht die Aussage zu verweigern.

Wir haben das Recht auszusagen und das Gespräch zu führen.

Wir können unserem Ursprung eine Geschichte geben.

Wir können dafür sorgen, dass sich auch die anderen rechtfertigen müssen.

Wir bestimmen unseren Sinn und Zweck selbst.


Dieses Selbstverständnis muss Einzug in unser postmigrantisches Denken finden. Denn...

Wir vermitteln zwischen den Kulturen und Sprachen.

Wir sind Schlüsselpersonen im gesellschaftlichen Zusammenleben und klären auf.

Wir werden gesellschaftlich bewusst unterfordert.

Wir müssen Widerstände aufbrechen.

Wir sind das optimale Feindbild für Nazis und andere Vielfaltsfeinde.

Wir streben nach mehr und sind allein wegen unserer Identität angreifbar.

Wir sind uns uneins und viele von uns sind sich ihrer Identität nicht bewusst.

Postmigrant*in zu sein, bedeutet gesellschaftliche Gegebenheiten zu hinterfragen.

Werde Teil der Postmigrants!


edit: ein ähnlicher Text wurde von mir bereits auf dem youngmigrantsblog der Rosa-Luxemburg-Stiftung publiziert: https://youngmigrants.blog/2020/01/frage-nach-identitaet/